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CPM steigt, Umsatz fällt: Markt oder Creative?

Ein steigender CPM fühlt sich immer wie ein Alarmsignal an, ist aber meistens eine Nachricht über den Markt, nicht über euer Creative. Die beiden Ursachen brauchen völlig unterschiedliche Reaktionen, eine neue Anzeige gegen einen teureren Markt hilft nichts. Die Unterscheidung braucht eine Referenzanzeige, kein Bauchgefühl.

Wie sich der CPM überhaupt zusammensetzt

Metas Auktionssystem bestimmt, wer eine Impression bekommt, über eine Rangformel: Ad Rank ergibt sich aus Gebot mal geschätzter Handlungsrate mal Anzeigenqualität. Der CPM ist damit kein reiner Marktpreis, sondern das Ergebnis eines Zusammenspiels aus drei Faktoren, von denen zwei, Handlungsrate und Qualität, direkt mit dem Creative zu tun haben, und einer, das Gebotsumfeld, mit dem Markt.

Was den CPM markt-seitig treibt

  • Wettbewerb um dieselbe Zielgruppe. Je mehr Werbetreibende um dasselbe Publikum bieten, desto höher der CPM, unabhängig von der Qualität einzelner Anzeigen.
  • Saisonalität. Rund um Aktionstage wie Black Friday oder im Q4 generell steigt der CPM branchenweit, weil alle gleichzeitig mehr Budget einsetzen.
  • Zielgruppengröße und Targeting-Schärfe. Eng eingegrenzte Zielgruppen haben weniger verfügbares Inventar, was den CPM gegenüber breitem Targeting erhöht.
  • Geografie. CPMs unterscheiden sich deutlich zwischen Ländern und Regionen, unabhängig vom eigenen Konto.

Was den CPM creative-seitig treibt

Eine Anzeige mit hoher Relevanz und starkem Engagement kann laut Praxiswerten 20 bis 40 Prozent weniger CPM zahlen als eine schwache Anzeige in derselben Zielgruppe. Der Effekt läuft in beide Richtungen: Anzeigen, an denen Nutzer vorbeiscrollen, ohne zu reagieren, zahlen einen Aufschlag, während Anzeigen mit Likes, Kommentaren und Klicks belohnt werden. Das bedeutet: ein Creative, das ermüdet, treibt seinen eigenen CPM in die Höhe, ganz unabhängig davon, was der Markt gerade macht.

Markt oder Creative: die Diagnose

Die zuverlässigste Methode ist eine Referenzanzeige: eine zweite, unveränderte Kampagne oder eine bekannte Konkurrenzanzeige aus derselben Zielgruppe, deren CPM ihr parallel beobachtet. Steigt der Referenzwert im selben Zeitraum ähnlich stark, liegt die Ursache überwiegend am Markt. Bleibt die Referenz stabil und nur die eigene Anzeige verteuert sich, liegt es am Creative selbst.

CPM steigt Referenzanzeige auch gestiegen? Ja Nein Markt Anzeige unverändert lassen Creative Austausch vorbereiten

Bleibt die Referenzanzeige stabil und nur die eigene Anzeige verteuert sich, liegt die Ursache am Creative, nicht am Markt.

Über welchen Zeitraum ihr vergleichen solltet

Ein einzelner Tagesvergleich reicht nicht, weil sowohl Markt- als auch Creative-Effekte kurzfristig schwanken. Sieben Tage sind ein brauchbarer Mindestzeitraum, damit Wochentagseffekte, etwa niedrigerer Wettbewerb am Wochenende, sich ausgleichen. Ein Anstieg, der nur an einem einzelnen Tag auftritt und danach wieder verschwindet, ist meistens ein kurzfristiger Auktionseffekt, keine strukturelle Veränderung, die eine Reaktion braucht.

Was aus der Diagnose folgt

Liegt die Ursache am Markt, hilft kein Creative-Austausch, sondern eher eine Anpassung von Zielgruppengröße oder Gebotsstrategie, oder schlicht Geduld, bis die saisonale Spitze vorbei ist. Liegt sie am Creative, ist die Reaktion eine Winner-Iteration oder ein neuer Konzept-Slot, nicht eine Anpassung des Gebots. Beide Reaktionen kosten Zeit und Budget, in die jeweils falsche Richtung eingesetzt verschärfen sie das Problem eher, statt es zu lösen.

Merksatz Ein steigender CPM ohne Referenzanzeige ist eine Vermutung, keine Diagnose. Erst der Vergleich zeigt, ob der Markt oder das eigene Creative die Ursache ist.

Wo diese Diagnose an ihre Grenzen kommt

Eine perfekte Referenzanzeige gibt es selten, meistens nur eine Annäherung über eine zweite eigene Kampagne oder eine öffentlich sichtbare Konkurrenzanzeige aus der Meta Ads Library. Bei sehr kleinen Zielgruppen schwankt der CPM zudem stärker allein durch geringes Auslieferungsvolumen, unabhängig von Markt oder Creative. Wie sich das auch auf die Frequenz auswirkt und warum kleine Zielgruppen generell empfindlicher reagieren, steht in Frequenz richtig lesen. Wie CPM neben den übrigen fünf Kennzahlen in eine vollständige Auswertung einfließt, steht in Die sechs Kennzahlen, die beim Creative zählen.

Wie finde ich eine geeignete Referenzanzeige?

Am einfachsten eine zweite, unveränderte eigene Kampagne in derselben Zielgruppe oder eine öffentlich sichtbare Konkurrenzanzeige aus der Meta Ads Library, die schon länger unverändert läuft.

Kann CPM gleichzeitig aus Markt- und Creative-Gründen steigen?

Ja, beide Effekte schließen sich nicht aus. In dem Fall zeigt die Referenzanzeige einen Anstieg, der eigene aber einen stärkeren, was auf beide Ursachen gleichzeitig hindeutet.

Wirkt sich ein niedrigeres Gebot direkt auf die Ad Quality aus?

Nein, das Gebot ist nur einer von drei Faktoren im Ad Rank. Ad Quality und geschätzte Handlungsrate hängen vom Creative und der Zielgruppenreaktion ab, nicht vom Gebot selbst.

Was ist die sogenannte Boredom Tax?

Ein informeller Begriff aus der Praxis dafür, dass Nutzer, die eine Anzeige ignorieren, ohne zu reagieren, indirekt einen höheren CPM auslösen, weil die Anzeige dadurch als weniger relevant eingestuft wird.

Reicht ein Tagesvergleich für die Diagnose aus?

Nein, mindestens sieben Tage vergleichen, damit Wochentagseffekte sich ausgleichen und ein einzelner kurzfristiger Ausschlag nicht als strukturelles Problem fehlinterpretiert wird.

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